Interview

Virtualisierung in öffentlichen Rechenzentren

Die Virtualisierung ist in den Rechenzentren der öffentlichen Hand angekommen. Ein Gespräch mit Horst Robertz, Manager Public Sector bei VMware, über die aktuelle Lage, Herausforderungen und Perspektiven in öffentlichen Rechenzentren.

Horst Robertz, Manager Public Sector, verantwortet
seit Januar 2010 das Geschäft mit dem Öffentlichen
Dienst bei VMware. In dieser Position ist er sowohl
für Bund, Länder und Kommunen, als auch für die
Bereiche Gesundheitswesen, Forschung und Lehre
zuständig.

Herr Robertz, wie sieht die Realität in den öffentlichen Rechenzentren heute aus?

Robertz: Es ist schwer hier eine generelle Aussage zu machen: Es gibt einige hundert Rechenzentren der öffentlichen Hand – das heißt Bund, Länder und Kommunen aber auch in den Bereichen Gesundheitswesen, Forschung & Lehre – mit zum Teil sehr unterschiedlichem Stand. Tatsächlich ist die IT-Landschaft in Behörden und öffentlichen Institutionen sehr heterogen. Viele dieser Rechenzentren sind dabei effizienter zu werden und setzen stark auf Virtualisierung. Ich kann aber aus Erfahrung sagen, dass auch hier der Status vielfältig ist. Interne Gründe wie mangelndes Personal oder die Politik der einzelnen Abteilungen können trotz guter Technologie und bewährten Lösungen Virtualisierungsprojekte verlangsamen. Gerade auf Länderebene ist aber eine Konsolidierung und Virtualisierung schon weit fortgeschritten. Auch über Cloud wird oft nachgedacht und es laufen sehr erfolgreiche Pilotprojekte.

Was sind denn die nächsten Aufgaben für die öffentliche Hand?

Nach wie vor ist die weitergehende Virtualisierung der bestehenden Systemlandschaft und darauf aufbauender Möglichkeiten der Prozessautomatisierung im Fokus der Planungen. Auf Basis eines hohen Virtualisierungsgrades können die Vorteile des Cloud Computing erst richtig greifen. Viele Institutionen setzen sich auch deshalb mit der Platformmigartion verstärkt auseinander, um eine einheitliche virtualisierte und standardisierte Umgebung nutzen zu können. Eine zweite Aufgabe besteht in der Reaktion auf den Einzug neuer Endgeräte wie Tablet PCs, Smartphones etc. und der damit verbundenen Frage, wie Mitarbeiter an jedem Ort, zu jeder Zeit mit unterschiedlichen Endgeräten sichereren Zugang auf ihren individuellen „virtuellen desktop“ erhalten.

Aber letzendlich dreht sich alles um Anwendungen; Anwendungen, die in einem Rechenzentrum „liegen“ und dem Anwender zur Verfügung gestellt werden sollen. Lassen wir die grundsätzlich notwendige Modernisierung vieler Anwendungen mal außer Betracht, so sehe ich einen immensen Nachholbedarf in der Nutzung standardisierter Verfahren.

Noch immer gibt es viele unterschiedliche, eigens regional entwickelte Anwendungen für ein und denselben Zweck. Man denke nur an Gewerbeanmeldungen. Hier liegt viel Optimierungspotenzial. Die Bereitstellung einmal entwickelter Anwendungen auch für andere Institutionen mit gleichem Auftrag, wird durch entsprechende Entwicklungsstandards, Frameworks wie vFabric und Nutzung als Service zu massiven Kosteneinsparungen beitragen und Innovation durch freie Kapazitäten beschleunigen. Mit dem IT-Planungsrat sind aber bereits erste sehr erfolgreiche Schritte in dieser Richtung unternommen worden. Also kommt die Cloud in die öffentliche Verwaltung?

Sie ist schon da. Wir sehen immer mehr Projekte im Rahmen einer Private oder Community Cloud – sei es in der Planung oder aber bereits in der Umsetzung. Wir finden in den Ländern konsolidierte Rechenzentren mit einem sehr hohen Virtualisierungsgrad, in denen bereits nach Nutzung abgerechnet wird. Die Cloud ist hier also eine Realität. Kein Wunder, denn die Cloud bietet nicht nur die Chance, schnell zu reagieren und hohe Wirtschaftlichkeit, sie garantiert auch ein durchgängiges, zentral verwaltetes Sicherheitsniveau. Auf Kommunaler Ebene sieht es teilweise anders aus. Aber auch hier gibt es viele Ansätze zur Konsolidierung und auch hier wird über die Cloud nachgedacht.

Aber Cloud ist nicht gleich Cloud. Wir bei VMware meinen, dass jede Cloud immer unterschiedlich ausgestaltet sein wird und sein sollte Ich sehe die Nutzung von Public Clouds (also die Weggabe von IT-Leistungen an einen externen Cloud Service Provider) in der öffentlichen Hand auch mittelfristig als wenig attraktiv und sinnvoll. Vielmehr werden im Öffentlichen Dienst Private Clouds oder Community Clouds Einzug halten. Aber auch hier gibt es keinen „One Size fits All“ Ansatz. Das hat, insbesondere in der Öffentlichen Verwaltung, natürlich etwas mit Datenschutz, unterschiedlichen Sicherheits- und Compliance Anforderungen und der Beibehaltung der IT-Kontrolle zu tun. Aber auch bereits getätigte Investitionen, Mitarbeiter Know-How, existierende Prozesse, Anwendungen und Systeme müssen bei Cloud-Projekten individuell Berücksichtigung finden, um den optimalen Weg zu finden.

Vielen Dank für das Gespräch!

Posted: 16:40 26/02/2011